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St. Pölten, 12. Februar 2026 (aiz.info)

Österreichische Seenfischertagung in Wesenufer: Zusammenarbeit als Schlüssel

Weiterbildung, Forschungsergebnisse und Praxis im bewährten Format

Die Seenfischertagung 2026 fand am Dienstag, 27. Jänner, im Fischrestaurant und Hotel Luger in Kramesau (Wesenufer, Oberes Donautal) statt - bekannt für die ausgezeichnete Zubereitung von Donaufischen. Im Anschluss an das Fachprogramm folgte die Jahreshauptversammlung des Vereins österreichischer Seenfischer. 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Tagung zum fachlichen Austausch und wurden danach von Helmut Luger und Küchenchef Markus Luger mit Fischspezialitäten aus dem hauseigenen Donaurevier verwöhnt.

Obmann Nikolaus Höplinger (Berufsfischer am Wolfgangsee) bedankte sich besonders bei der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, den Fachreferent:innen bzw. der Dachverbands-Geschäftsführung Leo Kirchmaier und Melanie Haslauer für die Organisation und Stärkung der Branche durch die bundesländerübergreifende Zusammenarbeit bei Bildung, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit. Höplinger betonte, dass die Tagung ein bewährtes Weiterbildungsformat in Zusammenarbeit mit dem Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI NÖ) ist und der traditionellen landwirtschaftlichen Sparte nicht nur Vernetzung und Austausch ermöglicht, sondern auch Sichtbarkeit schafft. Die Österreichische Seenfischertagung findet nun wieder jedes Jahr fix am letzten Dienstag im Jänner statt.

Dachverband & spartenübergreifende Kommunikation

Melanie Haslauer informierte über aktuelle Entwicklungen, darunter die gestärkte gemeinsame Kommunikation der Seenfischerei mit den Aquakultursparten. Mit den nationalen EU-Botschaftern Elfriede Höplinger (Wolfgangsee), Alexander Moser (Millstätter See) und Franz Blum (Bodensee) ist die Seenfischerei zudem Teil der Initiative #EUAquaculture, die die Sichtbarkeit heimischer Fischprodukte stärkt. Die Kampagne wurde von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, um die Qualität und Herkunft europäischer Fischprodukte für Konsumentinnen und Konsumenten transparent darzustellen. Haslauer stellte außerdem die barrierefreie Umgestaltung der Dachverbands-Website www.dachverband-aquakultur.at vor, die Betriebe – inklusive Seenfischer - künftig besser sichtbar machen wird.

Seenforschung in Österreich

Martin Luger (BAW - Bundesamt für Wasserwirtschaft, Scharfling) präsentierte Ergebnisse aus Untersuchungen an Seen mit mehr als 50 ha: Österreichweit sind 43 Seen dieser Größenklasse ausgewiesen, 40 Seen wurden mittels Fischbestandserhebungen ausgewertet. Zentrale Orientierungswerte für die Bewirtschaftung sind die Biomassen je Seentyp: Seesaiblingseen rund 50 kg/ha, Laubenseen rund 85 kg/ha, Elritzenseen rund 100 kg/ha. Diese Basisdaten dienen als Orientierung für nachhaltig abschöpfbare fischereiliche Erträge. Im Vergleich historischer und aktueller Fischgemeinschaften zeigen sich Gewinner (z. B. Flussbarsch, Kaulbarsch, Zander, Karpfen) und Verlierer - insbesondere Kleinfischarten (z. B. Koppe, Bachschmerle, Gründling, Aalrute). Neozoen wie Sonnenbarsch und Blaubandbärbling nahmen ebenfalls zu. Ein Publikationsband des BAW ist angekündigt.

Blick nach Bayern und Praxisimpulse

Michael Schubert (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft - LfL, Institut für Fischerei, Starnberg) zeigte, warum der Blick ins Nachbarland Deutschland spannend ist: In Bayern bewirtschaften rund 110 Seenfischereibetriebe etwa 14 (Vor-)Alpenseen, überwiegend im Nebenerwerb. Als Beispiele nannte Schubert die Entnahme invasiver Stichlinge im Bodensee mittels Schleppnetzes sowie das Gänsesäger-Projekt, bei dem die vollständige Entnahme der Vögel auf ausgewählten Gewässerstrecken die Äschenbestände stärken soll; erste Erkenntnisse deuten auf positive Effekte hin. Auch die LfL Bayern wird das Projekt nach Abschluss in einer Publikation detailliert vorstellen.

Praxisbericht Mondsee

Fischereimeister Josef Schachl (vulgo "Hanslbauer") berichtete praxisnah über seinen Quereinstieg in die Berufsfischerei vor etwa fünf Jahren und die Bewirtschaftung eines rund 170 Hektar großen Fischereirechts (Koppelrecht) am Mondsee. Der seit Generationen in Familienbesitz befindliche Bauernhof liegt direkt am See, am Fuße der Drachenwand; zwei Ferienwohnungen und rund 35 Tiere ergänzen den Betrieb. Die Vermarktung des Wildfangs - etwa Reinanke, Saibling oder Hecht - erfolgt derzeit über die Gastronomie und den Ab-Hof-Verkauf. Künftig soll die Direktvermarktung weiter ausgebaut werden.

Gemeinsam die Rahmenbedingungen stärken

Abschließend hielt Obmann Ökonomierat Höplinger in der Jahreshauptversammlung fest, dass die Berufsfischerei mit dem Verein auch für die Sparte der nebenberuflich tätigen Flussfischer offensteht: "Es geht mir um jeden einzelnen Betrieb und darum, die Rahmenbedingungen für die Betriebe zu stärken, um nachhaltig gefangenen Wildfisch für die Bevölkerung bereitzustellen." (Schluss)
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