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Linz, 13. Jänner 2026 (aiz.info)

Mehr Sicherheit im Wald - Wissen, das schützt

Wald – Arbeitsplatz und Wirtschaftsmotor

Rund 500.000 Hektar Wald erstrecken sich über Oberösterreich und bedecken nahezu die Hälfte der Landesfläche. Der heimische Wald ist nicht nur ein wichtiger Erholungsraum und Klimaschützer, sondern auch ein zentraler Wirtschaftsfaktor, an dessen Wertschöpfungskette rund jeder 14. Arbeitsplatz hängt. Gleichzeitig zählt die Arbeit im Wald zu den körperlich anspruchsvollsten und gefährlichsten Tätigkeiten: Forstarbeiterinnen und Forstarbeiter sind täglich mit schweren Maschinen, scharfem Werkzeug, wechselnden Witterungsbedingungen und schwierigem Gelände konfrontiert. Besonders bei motormanuellen Arbeiten wie der Holzernte mit der Motorsäge besteht ein hohes Unfallrisiko, etwa durch unkontrollierte Fallrichtungen, herabfallende Äste oder gespannte Stämme – vor allem bei der Aufarbeitung von Sturm- und Schadholz ist daher höchste Aufmerksamkeit erforderlich. 

„Waldarbeit kann eine bereichernde und sinnstiftende Tätigkeit sein, die darüber hinaus aktuell einen sehr positiven Beitrag zum Einkommen leistet. Vor allem Stress und unnötige Risiken schaffen gefährliche Situationen. Viele dieser Gefahrenmomente sind vermeidbar. Nehmen wir uns die Zeit, so risikoarm wie möglich im Wald zu arbeiten“, appelliert Forst-Landesrätin Michaela Langer-Weninger

Traurige Bilanz 

Tödliche Forstunfälle betreffen Menschen aller Altersgruppen – von jungen Erwachsenen bis hin zu Personen über 80 Jahre. Auffällig ist der hohe Anteil älterer Betroffener, der zu einem vergleichsweise hohen Durchschnittsalter der tödlich Verunglückten führt. Allein das Jahr 2024 verzeichnete 43 Tote bei Waldarbeiten (fünf davon in Oberösterreich). „Eine traurige und alarmierende Bilanz, der es entgegenzuwirken gilt!“, betont LRin Langer-Weninger. Ältere Personen verfügen zwar oft über große Erfahrung, unterschätzen jedoch mitunter die körperlichen Belastungen oder arbeiten allein im Wald. Gerade das Alleinarbeiten kann im Notfall fatale Folgen haben, da sich die Alarmierung und Erste Hilfe verzögert. Landwirtschaftliche Betriebe mit Wald sollten daher anspruchsvolle oder gefährliche Arbeiten verstärkt an professionelle Forstdienstleister übergeben.

Sicherheit beginnt bei Ausbildung und Vorbereitung 

Eine sichere Waldarbeit setzt fachliche Qualifikation, fundierte Kenntnisse der Sicherheitsvorschriften sowie den Einsatz geeigneter, technisch einwandfreier Maschinen voraus. Ebenso entscheidend ist das persönliche Sicherheitsverhalten. Dazu zählen eine sorgfältige Arbeitsplanung, das realistische Einschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit, regelmäßige Unterweisungen sowie die konsequente Verwendung persönlicher Schutzausrüstung. Schutzhelm, Schnittschutzhose, Sicherheitsschuhe, Handschuhe und Gesichts- bzw. Gehörschutz sind unverzichtbar. 

„Viele Unfälle passieren, weil Gefahren unterschätzt oder Situationen falsch eingeschätzt werden. Routine, Zeitdruck oder Unachtsamkeit erhöhen das Risiko erheblich. Auch mangelnde Kenntnisse im Umgang mit der Motorsäge oder falsche Fäll- und Schneidetechniken sind häufige Ursachen für schwere Verletzungen. Gute Vorbereitung von Arbeitseinsätzen sowie geeignetes Werkzeug tragen wesentlich dazu bei, Unfälle und gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden“, so Langer-Weninger. 

Sicherheit beginnt aber bereits auch in der Familie. Die Selbstkontrolle und der Sicherheitscheck der Partnerin bzw. des Partners sind unerlässlich. Wird die vollständige Schutzausrüstung getragen? „Auch wenn die Umstellung anfangs unbequem ist – wir alle tragen für uns selbst und unsere Nächsten Verantwortung“, so die Landesrätin.

Häufige Ursachen von Unfällen in der Forstarbeit 

Die Analyse des Unfallgeschehens zeigt wiederkehrende Muster:

Unzureichende Arbeitsvorbereitung und fehlende Planung 
Unterschätzung von Gefahren durch Routine und Gewöhnung
Konzentrationsverlust bei körperlich schwerer und langer Arbeit 
Zeitdruck sowie Arbeiten bei ungünstigen Witterungsbedingungen 
Fehlende oder unzureichende Ausbildung im Umgang mit der Motorsäge 
Arbeiten ohne oder mit unvollständiger persönlicher Schutzausrüstung 
Alleinarbeit in abgelegenen Waldgebieten 
Falsche Schnittführung bei verspannten Stämmen und Schadholz

Besonders hoch ist das Risiko bei motormanuellen Holzerntearbeiten. Untersuchungen zeigen zudem Unterschiede zwischen privater und beruflicher Waldarbeit: Private Waldarbeiter sind deutlich häufiger von Motorsägenverletzungen betroffen als professionell ausgebildete Forstarbeiter. Eine gute Arbeitsvorbereitung und die Wartung der Geräte erhöhen ebenfalls die Sicherheit. Bevor der erste Schnitt gesetzt wird, muss der Arbeitsplatz freigeschnitten und die Rückweiche angelegt werden. Das bringt Sicherheit und wertvolle Zeit beim Verlassen des Gefahrenbereichs. 

Technik hilft – ersetzt aber keine Vorsicht 

Moderne Forsttechnik wie Harvester, Prozessoren und Forwarder hat die Waldarbeit in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert und in vielen Bereichen sicherer gemacht. Dennoch bleibt die Motorsäge das am Häufigsten eingesetzte Werkzeug – und damit auch eine zentrale Unfallquelle, insbesondere im privaten Bereich. Eine gut gewartete Ausrüstung, korrekt geschärfte Schneidwerkzeuge und regelmäßige Schulungen sind daher unerlässlich. 

Sicherheit für Mensch und Wald 

Arbeitsschutz beginnt bei der Planung: klare Rückegassen, definierte Gefahrenbereiche, Absicherung von Forststraßen und Wanderwegen sowie griffbereite Erste-Hilfe-Ausrüstung sind unverzichtbar. Kontinuierliche Weiterbildung und Sensibilisierung tragen wesentlich dazu bei, Unfälle zu reduzieren. Sichere Waldarbeit schützt nicht nur Menschenleben, sondern stärkt auch die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes – als wirtschaftliche Grundlage, Naturraum und wertvolles Erbe für kommende Generationen. 

Veranstaltungsreihe „Sicher bei der Waldarbeit“ 

Gute Vorbereitung von Arbeitseinsätzen, Ausrüstung sowie Werkzeug helfen, Unfälle und gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden. Das Wissen über die Gefahren des forstlichen Arbeitsumfelds, den richtigen Umgang damit und der nötigen persönlichen Schutzausrüstung sind besonders wichtig – ebenso wie die richtige Arbeitstechnik. An sechs Terminen werden wesentliche Aspekte der Arbeitssicherheit im Umgang mit der Motorsäge und der Arbeit im Wald behandelt.

Unfallprävention durch Wissen und Ausrüstung 

Die SVS ist der Präventionsträger und verfolgt im Gesundheits- und im Unfallbereich konsequent die Vorsorgetransformation - weg von der Reparatur hin zur Vorsorge. Im Jahr 2024 verzeichnete die SVS 4.700 Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Wegunfälle. 1.900 entfallen auf den gewerblichen und 2.800 auf den landwirtschaftlichen Bereich. Österreichweit gab es 2024 684 Arbeitsunfälle bei der Waldarbeit, 164 davon in Oberösterreich. 

„Unfallprävention braucht zwei Elemente: Wissen und Ausrüstung. Die SVS deckt mit ihrer neuen groß angelegten Sicherheitsoffensive beides ab. Wir investieren 13 Millionen Euro in diese Sicherheit für unsere Versicherten. Jeder Versicherte erhält für Maßnahmen zur Unfallprävention einen 100 Euro Bonus, den „Sicherheitshunderter“, erläutert SVS-Obmann Peter Lehner und führt weiter aus: „Für eine sichere Arbeitsweise braucht es die nötige Qualifikation, die Kenntnis der Sicherheitsvorschriften, einwandfreie, geeignete Werkzeuge und Maschinen sowie das persönliche Sicherheitsverhalten, richtige Unterweisungen und die konsequente Verwendung der Schutzausrüstung.“ 

Zu den Maßnahmen des Sicherheitshunderter zählen: Erste Hilfe, Fahrsicherheit, Beratungen (Arbeitsmedizin oder Arbeitspsychologie und Ergonomie), Weiterbildungsangebote Seite 6 (Arbeitsmedizin, Arbeitspsychologie, Ergonomie und Technik und Gefahrstoffe), persönliche Schutzausrüstung und Sicherheitsausrüstung (z.B.: Feuerlöscher) sowie Sicherheitsüberprüfungen von Arbeitsmitteln. Speziell für die Waldarbeit sind Forstfacharbeiterkurse, Motorsägenkurse oder Spezialkurse zur Holzrückung inkludiert. Der Sicherheitshunderter kann ebenso für den Ankauf spezieller persönlicher Schutzausrüstung oder Sicherheitsausrüstung wie etwa Helm oder Schnitthose genutzt werden. 

Darüber hinaus informiert die SVS-Sicherheitsberatung in Vorträgen und Seminaren über Schutzmaßnahmen bei der Waldarbeit oder bietet individuelle Beratung vor Ort am Betrieb zu vielen sicherheitsrelevanten Themen.

Sicher im Wald: Ausbildung als Schlüssel zur Unfallvermeidung 

Die Arbeit im Wald zählt nach wie vor zu den unfallträchtigsten Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft. Umso wichtiger ist es, Risiken nicht dem Zufall zu überlassen, sondern ihnen mit fundierter Ausbildung, laufender Weiterbildung und praxisnaher Beratung entgegenzutreten. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich (LK OÖ) setzt hier seit Jahren einen klaren Schwerpunkt in der Aus- und Weiterbildung. 

„Jeder Unfall im Wald ist einer zu viel. Mit Wissen, Übung und der richtigen Vorbereitung können viele Gefahrensituationen entschärft oder ganz vermieden werden. Ich unterstütze alle Ausbildungs- und Weiterbildungsschienen der Landwirtschaftskammer in diesem Bereich, weil sie Land- und Forstwirtinnen und -wirte konkret dabei unterstützen, gesund von der Arbeit im Wald nach Hause zu kommen“, betont die Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ, Rosemarie Ferstl, die auch Landesstellenvorsitzende-Stellvertreterin der SVS in Oberösterreich ist. 

Fundierte Berufsausbildung senkt das Unfallrisiko 

Eine solide fachliche Ausbildung ist die Grundlage für sicheres Arbeiten im Wald. Die Ausbildung zum Forstfacharbeiter vermittelt alle wesentlichen Kenntnisse und Fertigkeiten für manuelle und motormanuelle Tätigkeiten. Aufbauend darauf bietet die Meisterausbildung in der Forstwirtschaft vertiefendes Wissen. Koordiniert wird die forstliche Berufsausbildung in Oberösterreich von der bei der Landwirtschaftskammer eingerichteten Lehrlings- und Fachausbildungsstelle. Seit dem Jahr 2000 haben 2.016 Personen erfolgreich die Seite 7 Forstfacharbeiterprüfung abgelegt, weitere 499 Absolventinnen und Absolventen haben den Forstwirtschaftsmeisterbrief. 

Praxisnahe Weiterbildung für mehr Sicherheit 

Ergänzend zur Berufsausbildung setzt die LK OÖ über das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) auf ein breites Weiterbildungsangebot. Besonderen Stellenwert haben dabei Motorsägen- und Arbeitstechnikkurse in Kleingruppen. Ein besonderes Erfolgsmodell ist die Ausbildungsreihe „Frauen im Wald“. Die speziell für Frauen konzipierten Kurse bieten Raum, den sicheren Umgang mit der Motorsäge ohne Hemmschwellen zu erlernen oder zu perfektionieren. Das Angebot wird von den Teilnehmerinnen sehr gut angenommen. 

Wissen teilen – auch online 

Mit der Video- und Online-Reihe „Forst im Fokus“ bringt die Landwirtschaftskammer forstliches Fachwissen regelmäßig auch digital zu ihrem Publikum. Expertinnen und Experten der LK OÖ sowie externer Institutionen widmen sich aktuellen Fragestellungen aus der Forstpraxis. Die Sendungen werden an jedem ersten Donnerstag im Monat auf dem YouTube-Kanal der Landwirtschaftskammer und auf lk-online ausgestrahlt 

Ein weiteres zentrales Angebot ist der Praxistreff „Sichere Waldarbeit“. Dabei werden sicherheitsrelevante Themen direkt vor Ort im Wald behandelt. Gemeinsam mit erfahrenen forstlichen Praxistrainern stehen Arbeitsvorbereitung, Einsatzplanung und die Einschätzung von Gefahrensituationen im Mittelpunkt.

„Das gefährliche Situationen überhaupt entstehen, hat oft mit einem Mangel an Routine und Fachwissen zu tun. Am häufigsten scheitert es jedoch daran, dass man sich nicht genügend Zeit für die Vorbereitungs- und Sicherheitsarbeiten nimmt und sich Personen im Gefahrenbereich aufhalten. Die Fällung ist die gefährlichste Tätigkeit. Hierbei passieren knapp zwei Drittel der schwersten Unfälle“, so der Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte in Traunkirchen, Florian Hader.

Das ist zu beachten in der Waldarbeit 

Nie allein arbeiten Waldarbeit ist Teamarbeit. Zudem sollte man sich bei einer Vertrauensperson ab- und wieder zurückmelden, da Arbeiten oft in abgelegenen Gebieten stattfinden. 

Stress und Zeitdruck vermeiden Ausreichend Zeit für die Arbeiten einplanen. Stress ist ein wesentlicher Unfallfaktor. 

Ausbildung nutzen – Wissen schützt Wer Gefahren kennt, kann ihnen entgegenwirken. Schulungen, Motorsägenkurse und regelmäßige Unterweisungen erhöhen die Sicherheit deutlich. 

Passendes und gewartetes Werkzeug verwenden Ungeeignete oder schlecht gewartete Ausrüstung erhöht das Unfallrisiko und belastet den Körper zusätzlich. 

Gefahrenbereiche konsequent freihalten Mindestens zwei Meter Sicherheitsabstand rund um die Motorsäge sowie eineinhalb Baumlängen bei Fällarbeiten einhalten, zusätzlich den talseitigen Bereich am Hang berücksichtigen. 

Gefahrenbereiche kennzeichnen Forststraßen und Wanderwege im Arbeitsbereich mit Hinweistafeln als „Befristetes forstliches Sperrgebiet“ kennzeichnen. 

Erste-Hilfe-Ausrüstung griffbereit halten Verbandsmaterial mitführen und regelmäßig kontrollieren. 

Profis zurate ziehen Bei Unsicherheit oder schwierigen Fällungen besser Fachkräfte einsetzen. Moderne Maschinen erleichtern die Arbeit, müssen aber fachgerecht bedient werden. 

FAST Traunkirchen 

Die Forstliche Ausbildungsstätte Traunkirchen - kurz FAST - bietet Aus- und Weiterbildung im Bereich Forstwirtschaft an. Im Rahmen von Kursen und Seminaren werden Inhalte zu Wald und Waldbewirtschaftung vermittelt, insbesondere das Thema Arbeitssicherheit ist sehr wichtig. Das Angebot reicht von Berufsausbildungskursen wie Forstfacharbeiter und Forstwirtschaftsmeisterausbildung bis zu Weiterbildung im Bereich sichere Waldarbeit, Holzverkauf, Baumartenwahl und Waldbau, Waldökologie bis hin zum Thema Waldpädagogik u.v.m. Eine Besonderheit ist die praxisnahe Gestaltung der Kurse, das heißt, Teilnehmende haben die Möglichkeit, selbst im Wald zu arbeiten und unter Anleitung von Trainern die sichere Arbeit zu erlernen. Die Kurse können online unter www.fasttraunkirchen.at gebucht werden. (Schluss)
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