Sie Sind noch nicht eingeloggt:ZURÜCK

Soja: Alte Kulturpflanze soll in Österreich neu belebt werden

OÖ Agrarlandesrat Stockinger präsentiert Machbarkeitsstudie

Linz, 12. März 2010 (aiz.info). - Vor einem halben Jahrhundert fand in Österreich Sojaschrot als Eiweißträger schrittweise Eingang in die Fütterung. Heute werden im Jahresschnitt 550.000 t Sojaschrot importiert - EU-weit beträgt dieser Import 35 Mio. t. Jetzt soll der Sojaanbau in Österreich verstärkt werden. Das ist wirtschaftlich jedoch schwierig. Oberösterreichs Agrarlandesrat Josef Stockinger hat daher eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse er heute mit den Experten Fritz Lehner und Reinhard Schwendtner präsentierte.

Die Sojaweltproduktion liegt bei rund 255 Mio. t. Obwohl die Sojabohne nur rund 20% Öl liefert, gilt sie weltweit als wichtigste Ölpflanze vor Raps und Baumwollsaat mit 60 beziehungsweise 40 Mio. t. Hauptproduktionsländer sind die USA, Brasilien und Argentinien mit einem Anteil von insgesamt über 80%. Die EU-27 erzeugt nur rund 1 Mio. t oder 0,4% der globalen Sojajahresernte. Die weltweite Produktion dieser Kultur wurde in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt.

Seit rund 20 Jahren wird in Österreich Soja angebaut. Im Vorjahr waren es 25.000 ha, davon entfielen mehr als 10.000 ha auf Oberösterreich und fast 8.000 ha auf das Burgenland; die Gesamternte belief sich auf 74.000 t. Die EU-Sojaernte 2009 wird mit 890.000 t beziffert. Friedrich Haberlandt hatte als Rektor der BOKU Wien ab 1873 intensiv mit Soja geforscht. Der US-Sojaanbau nutzte seine Ergebnisse und benannte vor rund 70 Jahren anerkennend eine Sorte nach ihm.

Verwendung in Lebensmittelindustrie und Tierfütterung

Eine Ölmühle als Grundvoraussetzung einer breiten Sojaverarbeitung ist für Österreich laut der Studie ökonomisch derzeit nicht rentabel, denn dazu wären mindestens 300.000 bis 500.000 Jahrestonnen notwendig. Die heimische Sojaproduktion würde aber selbst bei der angepeilten Verdoppelung der Anbaufläche bestenfalls die Hälfte der erforderlichen Kapazitätsuntergrenze einer heimischen Ölmühle erreichen.

Stockinger und die österreichischen Sojabauern sehen dennoch Chancen, welche die Machbarkeitsstudie auch unterstreicht, nämlich Soja für die Lebensmittelindustrie und Vollsoja in der Tierfütterung. Der Bedarf für Lebensmittel wird mit 40.000 t prognostiziert, europaweit liegt er derzeit bei 200.000 t. Sojamehl, Sojamilch, Tofu und verschiedene fermentierte Sojaprodukte sind schon jetzt aus heimischer Produktion im Markt und steigend gefragt. Der Markt für Kuhmilch werde dadurch nicht gefährdet, wurde betont, für Lactoseallergiker wäre Sojamilch aber ein begehrtes Angebot.

Sojaprodukte aus Österreich haben auch den Vorteil der absoluten Gentechnikfreiheit, während weltweit bereits 77% gentechnisch verändertes Sojasaatgut eingesetzt werden. Auch die Entwicklung einer GVO-freien Eiermarke würde dadurch möglich werden.

In der Fütterung, besonders von Muttersauen von Legehennen, könnte ein Teil des weiter notwendigen Sojaschrotimportes durch Vollsoja ersetzt werden. Das Absatzpotenzial würde für rund 80.000 t oder 30.000 ha im Jahr reichen. Pflanzenbaulich spricht für Soja eine gewisse Düngerersparnis, denn diese Kultur kann mittels Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft aufnehmen, wofür das Saatgut aber biologisch vorbereitet werden muss. Neben dem gesundheitlichen und ernährungsphysiologisch vorteilhaften Sojaanbau sieht Stockinger in dieser Alternativpflanze auch eine Entlastung des Getreidemarktes und eine bessere Wertschöpfung für den heimischen Ackerbau. Er rechnet mit einer Verdoppelung der Anbaufläche in den nächsten Jahren. Österreichisches Saatgut ist auch im Export gefragt. Die Saatbau Linz als erfolgreicher Züchter von 13 Sorten wird heuer deshalb die Vermehrungsfläche kräftig erweitern.

Am 09.04. wird in Linz ein eigenes Sojaforum veranstaltet, bei dem erfahrene Anbauer, Berater, Verarbeiter und Vermarkter darüber diskutieren, wie man den Ausbau dieser Sparte forcieren kann. (Schluss) kor



  • Energiespar Signet 3D.final  © Archiv
  • Banner Kwizda 2009 Kwizda Agro - Ihr verlässlicher Partner im Pflanzenschutz!Kwizda Agro bringt 2009 wieder Top-Innovationen im Bereichder Getreide- und Maisherbizide auf den Markt. Im Weinbaugibt es neue Power gegen Oidium. Auf österreichische Verhältnisse abgestimmte Lösungen und Fachberatung gehören zum Service von Kwizda Agro. Pflanzenschutz steht auf unseren Fahnen, nutzen Sie unsere Kompetenz. © Archiv