weitere Artikel ...


Sie Sind noch nicht eingeloggt:ZURÜCK

Wintertagung: Berlakovich will bäuerliche Unternehmerkompetenz stärken

Professionalisierungs-Offensive: Businessplan für jeden Bauernhof entwickeln

Wien, 8. Februar 2010 (aiz.info). - Bei der Wintertagung des Ökosozialen Forums an der Universität Wien skizzierte Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich heute seine Vorstellungen zur Zukunft des österreichischen Agrarsektors. Das "Unternehmen Landwirtschaft 2020" soll die Unternehmerkompetenz der heimischen Bäuerinnen und Bauern stärken. "Wettbewerbsfähige Betriebe sind die Voraussetzung für den Erfolg am Markt. Unternehmerisches Denken und Handeln wird für die Landwirtschaft daher immer wichtiger. Im härteren Wettbewerb unter liberalisierten Marktbedingungen ist dies die zentrale Chance, um ein ausreichendes Einkommen auch in Zukunft zu erwirtschaften", so Berlakovich. Als ersten Baustein dieser Strategie kündigte er eine Professionalisierungs-Offensive an, die gemeinsam mit den bäuerlichen Interessenvertretungen entwickelt werden soll.


Für Berlakovich ruht die Zukunft der heimischen Landwirtschaft auf drei Säulen, nämlich auf Wettbewerbsfähigkeit, gesunden und sicheren Lebensmitteln sowie drittens auf dem Bereich Umwelt- und Klimaschutz - auch im Zusammenhang mit erneuerbarer Energie. Diese Säulen stellen auch die inhaltlichen Schwerpunkte der österreichischen Strategie "Unternehmen Landwirtschaft 2020" dar.


Wettbewerbsfähigkeit stärken

"Bei meinen Diskussionen im Rahmen der Initiative "Zukunftsfeld Bauernhof" mit 5.000 Landwirten im Vorjahr war für mich eines der wichtigsten Ergebnisse, dass wir die bäuerliche Unternehmerkompetenz stärken müssen. Ich starte daher heuer eine Professionalisierungs-Offensive. Auf Basis einer breiten Betriebsanalyse soll jeder Bauer seine eigene Betriebsstrategie, seinen Businessplan, entwickeln können", erläuterte Berlakovich. Den Landwirten solle eine Beratung zur Standortbestimmung und künftigen strategischen Ausrichtung, zu Produktion, Marketing und Rechnungswesen angeboten werden. Ziel sei es, durch eine breite Palette von Maßnahmen allen Land- und Forstwirten entsprechend der persönlichen und betrieblichen Bedürfnisse Perspektiven und Zukunftschancen zu eröffnen.


"Wir müssen jetzt die Beratung noch passgenauer gestalten, damit für jeden Betrieb etwas Anwendbares dabei ist und es auch breit genutzt wird", unterstrich der Minister. Das Angebot werde ausgebaut in den Bereichen klassische Produktionssparten, neue Formen der Energieproduktion, Diversifizierung (Direktvermarktung, Ab Hof-Verkauf, Teilnahmen an Regional- und Qualitätsinitiativen, Gästezimmervermietung, Urlaub am Bauernhof) sowie auch für Spezialproduktionszweige und die Erzeugung von Nischenprodukten.


"Im Bereich Bildung und Beratung müssen neue Herausforderungen wie Klimaschutz und erneuerbare Energieerzeugung in den Lehrplänen ihren Niederschlag finden. Das Angebot soll österreichweit harmonisiert und konzentriert werden, die Beratung ist verstärkt mit Aus- und Weiterbildungsprogrammen zu vernetzen. Insgesamt sollen Bildung und Beratung in einem zielorientierten Gesamtkonzept stärker als bisher vernetzt, abgestimmt und gebündelt werden", erklärte Berlakovich.


Gegen die "Geiz ist geil-Mentalität"

Der Minister ging in seinem Vortrag bei der Wintertagung auch auf die Diskussion über die Lebensmittelpreise ein und erteilte ein diesem Zusammenhang der "Geiz ist geil-Mentalität" erneut eine klare Absage. "Statt bei einem Preiskampf mitzumachen, den wir nicht gewonnen können, sollte die Landwirtschaft vermehrt auf Herkunft sowie Qualität setzen und strategische Allianzen mit dem Lebensmittelhandel und den Verarbeitern eingehen", sagte der Ressortchef. Die Lebensmittelkette selbst müsse transparenter gemacht werden. Nahrungsmittel dürften auch nicht zum Spielball von Spekulanten werden, betonte er. Die Antwort auf die Wirtschafts- und Finanzkrise sehe er in einer ökosozialen Marktwirtschaft. Das vergangene Jahr habe auch gezeigt, dass Direktzahlungen an die Landwirtschaft einkommensstablisierend wirken und geholfen haben, die Krise zu lindern. Daher müsse es auch in Zukunft eine gemeinsame EU-Agrarpolitik und ein Budget in jener Höhe geben, das die angemessene Abgeltung der bäuerlichen Leistungen ermögliche, so Berlakovich. In der EU würden insgesamt (inklusive der Länderbudgets) ohnehin nur knapp 1% der Budgetmittel für den Agrarsektor verwendet. Eine Weiterentwicklung der GAP müsse auch die Faktoren Klimawandel und Lebensmittelsicherheit berücksichtigen. (Schluss) kam