Graz, 29. Juni 2012 (aiz.info). - In Schloss Gabelhofen in Fohnsdorf, Steiermark, fand gestern und heute die österreichische Landesagrarreferenten-Konferenz statt. Am Programm standen aktuelle Entwicklungen im Agrarbereich sowie die zukünftigen Herausforderungen an die Landwirtschaft. Mit Bundesminister Nikolaus Berlakovich diskutierten die Landesräte insbesondere die EU-Agrarreform 2014-2020, die Neugestaltung der agrarischen Bildung sowie die Verhandlungen über die Neufestsetzung der Einheitswerte und die Frage der Pauschalierung.
Minister: Unternehmerkompetenz der Betriebe stärken
"Die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft ändern sich. Zwar haben wir aktuell auf den Märkten in verschiedenen Produktbereichen eine relativ gute Situation, auf der anderen Seite wissen wir aber nicht, wieviel Budget uns künftig für den Agrarbereich zur Verfügung steht. Umso wichtiger ist es, die Unternehmerkompetenz der einzelnen Betriebe zu stärken", unterstrich Berlakovich.
"Mir geht es darum, den Bäuerinnen und Bauern Planungssicherheit zu geben und gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu schaffen. Genau das ist auch auf europäischer Ebene unser Ziel - im Sinne unserer Bäuerinnen und Bauern. Leistungsabgeltungen sind für die Zukunft unserer Landwirtschaft existenziell und - entgegen verschiedenen bauernfeindlichen Aussagen - verhältnismäßig moderat. Das bestätigt auch eine in der vergangenen Woche publizierte Studie. Demnach sind Beihilfen für agrarische Betriebe in den USA dreimal so hoch wie jene in der EU", so Berlakovich bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Landesagrarreferenten-Sitzung.
Seitinger: Optimale Ausbildung für Bäuerinnen und Bauern sehr wichtig
"Eine optimale Ausbildung ist deshalb so wichtig, weil die Herausforderungen in der Landwirtschaft immer breiter und anspruchsvoller werden. Der Bauer der Zukunft ist nicht nur Urproduzent, sondern ebenso Veredler, Direktvermarkter, Lebensmittel- und Energielieferant, also Dienstleister für den ländlichen Raum. Daher ist neben der fachlichen Ausbildung in Spezialbereichen auch die unternehmerische Komponente ganz entscheidend", unterstrich Landesrat Johann Seitinger.
Derzeit wird gerade intensiv an einem neuen Bildungsprogramm für die Land-wirtschaft gearbeitet, das all diesen Facetten gerecht wird. Ein künftiges Ziel der agrarischen Bildung wird laut Berlakovich und Seitinger in der verstärkten Zusammenführung von Kompetenzen liegen, und zwar im Bereich von Schul-, Versuchs- und Forschungszentren sowie Lehrbetrieben, die auch räumlich möglichst nah beieinander sein sollen. Das sichert die notwendige engste Kooperation der Forschung und Entwicklung mit der Lehre und Umsetzung.
Ein Teil der Ausbildung der bäuerlichen Jugend soll auch die Führung bäuerlicher Organisationen sowie das Engagement in Interessenvertretungen abdecken. Ein weiterer, entscheidender Teil der Bildungsfragen steht in engster Verbindung zur gesunden Ernährung. Die landwirtschaftlichen Fachschulen für Ernährungswirtschaft werden diesen Schwerpunkt künftig laufend verstärken. Damit soll auch ein wesentlicher Beitrag zur Volksgesundheit geleistet werden.
Wlodkowski: "Staatsvertrag" zur Reduktion von Flächenverschwendung
"In Österreich werden täglich rund 15 ha landwirtschaftliche Fläche für Verkehr, Industrie und Wohnbau verbaut, davon allein 6 ha in der Steiermark. Das ist eindeutig zu viel", betont Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski. "Unsere Bauern brauchen diese Flächen, um die Versorgung der Bevölkerung weiterhin zu gewährleisten", so der Präsident. Die LK Ö verlange daher einen "Staatsvertrag" zwischen Bund und Ländern zur Reduktion der Flächenverschwendung. Wlodkowski schlägt eine rasche Bund-Länder-Vereinbarung gemäß Artikel 15a vor, um den Flächenverbrauch in der Raumordnung wirksam zu verankern.
Tierschutz: Radikale Aktivisten verbreiten Falschmeldungen
"Die heimischen Schweinebauern halten ihre Tiere sehr gut, erfüllen höchste Tierschutzstandards und werden von den Veterinärbehörden strengstens kontrolliert. Als Praktiker sind die Bauern tagtäglich mit ihren Tieren in Kontakt und wissen um deren Bedürfnisse Bescheid", stellte Wlodkowski klar. Die Anwürfe radikaler Aktivisten, wonach die Bauern ihre Tiere nicht gut halten würden, weise er daher auf das Schärfste zurück. "Bei den zahlreichen Kontrollen bestätigen die Amtstierärzte, dass die Bauern ihre Tiere gesetzeskonform halten und gut betreuen - Österreich hat immerhin das zweitstrengste Tierschutzgesetz in ganz Europa", so Wlodkowski.
"Wenn die Schweinebetriebe zum Aufgeben gezwungen werden, dann stehen alleine in der Steiermark 12.000 Arbeitsplätze auch außerhalb der Landwirtschaft auf dem Spiel. Außerdem ist die heimische Versorgung mit Fleisch nicht mehr gesichert - das Schnitzel kommt dann aus dem Ausland. Ob dieses dann frisch ist, eine gute Qualität aufweist und streng kontrolliert wurde, das ist dann nicht mehr garantiert", betonte der Präsident.
Massive Unwetterschäden machen betroffen
Auch die jüngsten Unwetter waren ein Thema bei der heutigen Sitzung: Ungewöhnlich heftige Gewitter haben die Bezirke Hartberg, Weiz, Liezen, Leoben, Bruck/Mur und Mürzzuschlag getroffen. Rund 10.000 ha sind massiv geschädigt, davon wurden rund 850 ha durch Vermurungen und Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen. Auch Forststraßen, Zufahrtswege und Brücken wurden beeinträchtigt, deren Wiederherstellung jedenfalls mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. "Angesichts der Schäden in der Höhe von EUR 4,4 Mio. wird die Bedeutung einer Risikoabsicherung in der Landwirtschaft deutlich. Ich appelliere hier an Bund und Land, die Unterstützungen für die Hagelversicherung aufrechtzuerhalten und die Katastrophenmittel nachhaltig abzusichern", erklärte Wlodkowski. (Schluss)
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