Wien, 6. August 2012 (aiz.info). - Mit Verwunderung nimmt die Landwirtschaftskammer Österreich jenen Offenen Brief zur Kenntnis, den die Katholische Aktion der Erzdiözese Wien vor wenigen Tagen an die Bundesminister Doris Bures und Nikolaus Berlakovich gerichtet hat. In dem Brief, der in der APA veröffentlicht wurde, werden die Biotreibstoffpläne der Bundesregierung heftig kritisiert. Die Katholische Aktion fordert, die Einführung der Treibstoffsorte E10 zu stoppen, weil dadurch das weltweite Hungerproblem weiter verschärft werde. Die LK Ö weist diese Darstellung zurück und stellt klar, dass "der österreichische Autotank nicht in Konkurrenz zum Teller hungernder Menschen im Süden tritt".
"Die Einführung einer Treibstoffsorte mit einem 10%igen Ethanolanteil (E10) wird in Österreich keinerlei Flächenausdehnung verursachen. Es wird derzeit die dafür notwendige Menge zur Gänze in der Bioethanolanlage in Pischelsdorf aus österreichischem sowie von aus Tschechien, Slowakei und Ungarn importiertem Getreide hergestellt. Bei der Bioethanolproduktion entsteht als Nebenprodukt ein hochwertiges Eiweißfuttermittel, welches bis zu einem Drittel (ca. 60.000 ha) die Sojaimportmenge aus Übersee ersetzen kann", stellt LK Ö-Generalsekretär August Astl nunmehr in einem offenen Brief an die Katholische Aktion fest.
Durch die stoffliche und energetische Verwertung von Getreide in einer Überschussregion vor Ort werde die in dieser Region angespannte Marktsituation entlastet. Gleichzeitig werde für die heimische Volkswirtschaft Wertschöpfung erzeugt. Die derart verwendeten Getreidemengen müssten nicht unter sehr hohem Kostendruck und unter schwierigen logistischen Bedingungen auf dem Weltmarkt abgesetzt werden, gibt Astl zu bedenken.
Keine Konkurrenz zum Teller
"Die Einführung von E10 brächte allen etwas: Die Emissionen im Verkehrssektor können deutlich reduziert, die Wertschöpfung in Österreich gesteigert, das Energiehandelsbilanzdefizit vor allem bei Rohölimporten gesenkt und der Getrei-demarkt entlastet werden", heißt es in dem Brief der LK Ö. Der österreichische Autotank trete nicht in Konkurrenz zum Teller hungernder Menschen im Süden. Im Gegenteil, durch die regionale Verwertung und die Doppelproduktion auf der Fläche (Energie und Futtermittel) werde der zu importierende Flächenanteil Österreichs verringert. "Dies hilft mit, den Flächendruck in anderen Regionen der Welt zu verringern und Flächen für die dortige Produktion frei zu stellen", wird betont.
Auch importierte Biotreibstoffe müssen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen
"Die von Ihnen aufgeworfenen ökologischen, ökonomischen und sozialen Bedenken wurden bei in der EU und in Österreich eingesetzten Biotreibstoffen - im Gegensatz zu fossilen Treibstoffen - vollkommen ausgeräumt. Auch importierte Biotreibstoffe müssen die Nachhaltigkeitskriterien der EU, die Mindeststandards für Treibhausgasemissions-Einsparungen sowie Flächennutzungen erfüllen. Darüber hinaus gelten für Importe Berichtspflichten betreffend soziale Standards", wird in dem Brief klargestellt.
Thema wurde mit Vertretern der Bischofskonferenz bereits diskutiert
Astl erinnert abschließend daran, dass dieses Thema in der Vergangenheit bereits ausführlich auch mit Vertretern der Österreichischen Bischofskonferenz diskutiert wurde und verweist dazu auf die immer noch aktuelle gemeinsame Erklärung "Nahrungsmittelproduktion und Energieproduktion aus nachwachsenden Rohstoffen ein Widerspruch?". In dieser Erklärung wird unter anderem festgehalten, dass es sich beim Hunger in Entwicklungsländern vor allem "um ein Problem der Verteilung und weniger um die Frage der produzierten beziehungsweise produzierbaren Mengen handelt". Die österreichische Landwirtschaft sehe "ihr primäres Ziel in der Produktion von Lebens- und Futtermitteln, um eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen", wird ausdrücklich klargestellt. Diese Erklärung wurde unter anderem von der Landwirtschaftskammer Österreich und der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission unterzeichnet. Sie steht auf www.aiz.info im Anschluss an diesen Beitrag als Download zur Verfügung. (Schluss)
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