Wien, 23. Juli 2012 (aiz.info). - Der Lebensmitteldiskonter Hofer hat heute, Montag, die Preise für verschiedene Molkereiprodukte um 4 bis 10 Cent gesenkt. Dies geht aus aktuellen Inseraten des Unternehmens hervor. Konkret wurde der Preis bei länger haltbarer Milfina-Vollmilch von 95 auf 89 Cent verringert, bei Speisetopfen von 75 auf 69 Cent, bei Magertopfen von 65 auf 59 Cent, für Länger frisches Schlagobers von 95 auf 85 Cent, für Sauerrahm von 59 auf 55 Cent. Heimische Marktexperten zeigen sich über die jüngste Preissenkungsrunde von Hofer überrascht und werten sie als falsches Signal. Die österreichische Milchanlieferung und die internationale Marktentwicklung hätten eindeutige Zeichen in Richtung Preisstabilisierung gesetzt, betonen sie. Ungeachtet dessen haben heute auch weitere Handelsketten "Preiskorrekturen nach unten" angekündigt.
Der heimische Milchmarkt sei in den vergangenen Monaten unter Druck geraten, erklärte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), gegenüber der APA. Zuletzt hätten jedoch die Anzeichen für eine Entspannung überwogen. Als Beispiele nannte er die saisonal rückläufige Milchanlieferung im Inland und den steigenden globalen Milchverbrauch insbesondere in den Schwellenländern. Laut Erhebungen der Agrarmarkt Austria hat die österreichische Molkereianlieferung im Mai ihren saisonalen Höhepunkt überschritten, sie lag aber noch um 4,3% über dem Vorjahresniveau. Im Juni machte das Plus nur mehr 3% aus.
Heimische Milchmarktexperten halten es zwar für möglich, dass Hofer jetzt zeitverzögert Preissenkungen von Diskontern in Deutschland nachvollzieht. Die Butterpreise waren schon im Mai um 10 Cent je Viertelkilopackung abgesenkt worden. Allerdings könne das deutsche Preisniveau aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen (Topografie, Logistik, Tierschutzstandards, Gentechnikfreiheit usw.) nicht einfach auf Österreich übertragen werden, wird betont. Vertreter anderer Handelsketten haben ihre beabsichtigten Preissenkungen heute mit geringeren Einkaufs- beziehungsweise gesunkenen Erzeugerpreisen argumentiert.
Der Zeitpunkt und das Ausmaß der Reduzierungen kommen für Fachleute aber auch deshalb überraschend, weil sich mittlerweile international die Anzeichen für eine Marktstabilisierung mehren: So hat sich etwa in Deutschland der Rückgang der Milchanlieferung verstärkt, zuletzt wurde sogar das Vorjahresniveau unterschritten. Ähnlich zeigt sich die Situation in Frankreich, in Südeuropa sorgt die Hitze für eine Zurücknahme der Erzeugung. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium korrigierte kürzlich seine Schätzung für die US-Milchproduktion in den Jahren 2012 und 2013 aufgrund höherer Futtermittelpreise nach unten.
Die Spotmarktpreise für Versandmilch haben in den vergangenen Wochen in Italien und in den Niederlanden spürbar angezogen. In Deutschland liegen die Preise für Blockbutter über jenen für abgepackte und geformte Ware, was als Zeichen für Preisfestigung gewertet wird. Der Käsemarkt weist nach wie vor stabile Tendenzen auf. Auch die EU-Kommission hat beim jüngsten Agrarrat berichtet, dass es Anzeichen für eine Erholung am europäischen Milchmarkt gibt. Wann der Preisauftrieb einsetzen wird, darüber sind sich die Analysen noch nicht einig. (Schluss) kam
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