Bern, 4. Juli 2012 (aiz.info). - Der Vorstand der Schweizer Branchenorganisation Milch (BOM) konnte sich in seiner jüngsten Sitzung nicht auf einen Richtpreis für das dritte Quartal 2012 einigen. Die Positionen und Markteinschätzungen der verschiedenen Akteure waren zu unterschiedlich. Beschlossen wurde aber eine Reduktion der finanziellen Stützung beim Export des überschüssigen Milchfettes.
Für den Schweizerischen Bauernverband (SBV) bedeutet die Nicht-Einigung innerhalb der BOM, dass der bisherige Richtpreis weiter gilt und die Milchkäufer keine Preissenkungen vornehmen. "Eine Absenkung wäre in Anbetracht des aktuell bereits sehr tiefen Preises nicht angebracht", stellt der SBV in einer Aussendung fest.
Die Richtpreis-Festsetzung gehört bekanntlich zu den wichtigsten Aufgaben der Branchenorganisation Milch. Dieser Richtpreis ist allerdings nicht rechtlich bindend, sondern eine Entscheidungsgrundlage für die Preisverhandlungen bei Vertragsmilch zwischen den Marktpartnern. Ausschlaggebend für die Höhe ist die Preisentwicklung der vergangenen Monate auf den in- und ausländischen Märkten sowie die erwartete Situation in den kommenden Wochen und Monaten. Die Höhe des Richtpreises ist für die Branche von großer Bedeutung: Wie berichtet, hat Ende September 2011 die Milchbauernvertretung SMP überraschend beschlossen, aus der BOM auszutreten und damit für einen Knalleffekt gesorgt. Hauptgrund dafür war die beschlossene Senkung des Richtpreises um 4 Rappen je kg, die als Provokation empfunden wurde.
Rückkehr der Milchbauern in Branchenorganisation möglich
Dem Antrag der SMP, den Austritt unter der Voraussetzung zu annullieren, dass ihnen statutarisch drei Sitze im BOM-Vorstand zugesichert werden, hat der Vorstand der Branchenorganisation in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt. Über eine entsprechende Anpassung der Statuten werden die Delegierten entscheiden. Der Bauernverband zeigt sich erfreut über die geplante Statutenänderung, "weil dieser die Basis für die Rückkehr der Milchproduzenten in die Branchenorganisation darstellt".
Diskussion über Marktentlastungsmaßnahmen
Weitere Themen der BOM-Sitzung waren die breit geführten Diskussionen der letzten Wochen zur Zukunft des Schweizer Milchmarktes und der Vorschlag zur sektorellen Grenzöffnung gegenüber dem EU-Markt. Eine eigens dafür eingesetzte Arbeitsgruppe befasst sich zurzeit mit verschiedenen Lösungsansätzen für die Probleme am eidgenössischen Milchmarkt. Da die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Marktentlastungsfonds bis Ende April 2013 befristet sind, werden jetzt Maßnahmen zur Preisstabilisierung für die Zeit danach erarbeitet. Spätestens bei der außerordentlichen Delegiertenversammlung im Herbst 2012 müssen konkrete Lösungsansätze vorliegen.
Mit dem Fonds zur Marktentlastung stützt die BOM den Export des überschüssigen Milchfetts in Form von Butter, Vollmilchpulver, Rahm und Milch. Die hohen Milchanlieferungen in der Schweiz verursachen einen zusätzlichen Preisdruck in den wertschöpfungsstärkeren Märkten, und die BOM hat mit diesem Fonds ein Instrument, das diesen Druck reduzieren soll. Der Abbau der Butterlager im letzten Jahr, die markante Zunahme der Exporte im laufenden Jahr und die beschränkten Fondsmittel veranlassten die Branchenorganisation jetzt, die Exportbeiträge abermals zu reduzieren.
Aufgrund der stark gesunkenen Exporterlöse muss dieser Beitrag für August bis Dezember 2012 auf 1,50 Franken pro Kilogramm exportiertem Fett verringert werden. Dieser Beitrag entspricht zurzeit 20% der effektiven Milchfett-Preisdifferenz zwischen der Schweiz und dem Weltmarkt. Zu Jahresanfang wurden durch den Fonds noch 70% der Differenz kompensiert, und für die Monate Juni und Juli 2012 waren es immerhin noch 44%. Die Stützung soll dazu dienen, bei einem Überangebot am Markt Druck von den Erzeugerpreisen zu nehmen. (Schluss) kam
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Schweiz: Keine Einigung über Milch-Richtpreis für drittes Quartal 2012
Markteinschätzungen innerhalb der Branchenorganisation zu unterschiedlich
Links
- Schweiz: Weniger Geld für Stützung der Butterexporte zur Verfügung
- Schweizer Milchbauern wollen eher nicht in Branchenorganisation zurückkehren
- Schweiz: Mengensteuerung bei Milch funktioniert noch immer nicht
- Branchenorganisation Milch - BOM



