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Experten: Rindfleischerzeugung muss produktiver werden

Ergebnisse der "agri benchmark Beef and Sheep Conference" in Südafrika

Pretoria, 4. Juli 2012 (aiz.info). - Angesichts der weltweit zunehmenden Nachfrage nach Fleisch, der steigenden Kosten bei der Fleischerzeugung sowie der Begrenztheit von Agrarflächen muss die Produktion von Rindfleisch noch deutlich effektiver werden, wenn das aktuelle Niveau gehalten beziehungsweise erhöht werden soll. Zu diesem Ergebnis gelangten jetzt die Teilnehmer aus mehr als 25 Ländern der zehnten "agri benchmark Beef and Sheep Conference" in Südafrika. Sie hoben zwei wesentliche Ansatzpunkte zur Steigerung der Produktivität in diesem Bereich hervor: Zum einen die Verbesserung der Weideproduktivität und ein optimiertes Weidemanagement sowie zum anderen eine Endmast mit energiereichen Rationen in den letzten 90 bis 150 Tagen anstatt auf der Weide.

In einer Ausdehnung der landwirtschaftlich genutzten Fläche sehen die in dem globalen agri-benchmark-Netzwerk zusammengeschlossenen Agrarökonomen nur in einigen Ländern eine mittel- bis langfristige Option zur Steigerung der Rindfleischproduktion, wie das Johann Heinrich von Thünen-Institut in Braunschweig berichtet. Denn eine solche Strategie ist nur erfolgreich, wenn neben politischer Stabilität auch entsprechende Investitionen und ausreichend hohe Preise zur Rechtfertigung der ausgedehnten Landnutzung vorhanden sind. Darüber hinaus erscheint es den Experten ohnehin fraglich, ob neue Flächen gegebenenfalls überhaupt für die Rindermast genutzt würden, berichtet Dow Jones News.

Kleinbetriebe mit Potenzial

Wie die Agrar-Fachleute auf der Konferenz betonten, darf es bei den Strategien zur Produktionssteigerung nicht nur darum gehen, Produktivitätslücken zwischen Ländern zu schließen, sondern zunächst einmal zwischen den Produzenten innerhalb eines Landes. In dieser Hinsicht bestehen demnach dort besonders große Potenziale, wo die Ausgangsbasis bislang niedrig ist. Dies betrifft Kleinbetriebe in Entwicklungs- und Schwellenländern, aber auch durchaus größere Betriebe etwa in Brasilien und Argentinien. In Ländern wie Südafrika wiederum, in denen Kälber knapp werden, ist die Steigerung der Kälberzahl vordringliches Ziel.

Mutterkuhbetriebe wirtschaftlich am stabilsten

Eine wesentliche Aufgabe des globalen agri-benchmark-Netzwerks ist der internationale Vergleich von Produktionssystemen und ihrer Wirtschaftlichkeit. Der ergab in diesem Jahr, dass Mutterkuhbetriebe, die weitgehend auf der Weide und nur in geringem Umfang zugekaufte Futtermittel füttern, den jüngsten Anstieg der Futterkosten vergleichsweise gut verkraften konnten. Die Rentabilität dieser Betriebe wird nach Ansicht der Experten im Vergleich zu den Mastbetrieben kurzfristig eher von den Absatzpreisen als von den Kosten bestimmt. In der Rindermast hingegen konnten in den meisten untersuchten Betrieben im Jahr 2011 die Kostensteigerungen bei Futtermitteln, Pachten und für die Arbeit nur teilweise durch Preissteigerungen bei Rindfleisch kompensiert werden.

Führende Importeure von Rindfleisch waren zuletzt Asien und Russland. Dazu wiesen die Agrar-Ökonomen darauf hin, dass Russland, die Ukraine und Kasachstan inzwischen Förderprogramme auflegten, um die Produktion von Rindfleisch und anderer Produkte, wie etwa Milch, zu erhöhen. Von dieser Politik profitieren demnach nicht zuletzt Großbetriebe und Holdings. In der EU wird auf Sicht eine stabile bis leicht sinkende Rindfleisch-Produktion erwartet. Dabei stellen allerdings die Umsetzung der Agrarreform im Jahr 2014 und die Abschaffung der Milchquote im Jahr 2015 noch Unsicherheitsfaktoren dar.

Unerwünschte Folgen durch Produktionssteigerung

Kurz- bis mittelfristig werden Marktsignale für Produktivitätssteigerungen im Rindfleischsegment sorgen, zeigten sich die Experten des agri-benchmark-Netzwerks in Südafrika überzeugt. Doch diese Faktoren können demnach ebenso zu unerwünschten Nebeneffekten wie Überweidung, Wasserverschmutzung und Probleme mit dem Tierwohl führen. Um eine nachhaltige Verbesserung der Rindfleischproduktivität sicherzustellen, sollten deshalb die betroffenen Produzenten entsprechend aus- und fortgebildet sowie fachmännisch beraten werden, forderten die Teilnehmer der Konferenz. Bei solchen Maßnahmen sollten möglichst alle relevanten Gruppen der Wertschöpfungskette eingebunden sein. (Schluss)



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